Der Beginn einer langen Reise…

Ob man es glaubt oder nicht, aber der Start in mein Abenteuer Ghana ist nicht ganz reibungslos verlaufen. Kurz bevor wir zum Flughafen gefahren sind, habe ich ein letztes Mal meine Emails gecheckt, eigentlich nur aus Routine. Als ich meine Emails öffne, lese ich den Betreff „Ihr Flug wurde storniert“ in fetten Großbuchstabe. Statt direkt von Bremen nach Amsterdam zu fliegen, wurde mein Flug so umgebucht, dass ich erst nach Frankfurt und dann nach Amsterdam fliege. Mein Flug nach Accra sollte erst am nächsten Tag gehen. Ich habe ein Hotelzimmer im Flughafenhotel bekommen, sowie ein 10€ Gutschein für alle Restaurants am Flughafen.

Auf meinem Flug wurde meine Nervosität und Aufregung immer größer. Nach meiner Landung musste ich erst einmal durch die Passkontrolle, wo ich dann auch zum ersten Mal in Kontakt mit dem ghanaeschen Akzent kam. Der Beamte ließ mich den Namen meines Dorfes Obo-Kwahu gleich mehrere Male aussprechen und amüsierte sich dabei köstlich. Am Gepäckband stand ich dann auch fast 30 Minuten umsonst, da die großen Koffer in einer Ecke gesammelt werden, darunter auch meine beiden. 

Als ich durch die Tür nach draußen in den Empfangsbereich ging, war es wie gegen eine Wand zu laufen. Die kühle Flughafenluft stand in Kontrast zur extrem schwülen, heißen Luft draußen, der Geruch des Flughafens zu den Gerüchen Ghanas. Wer schon einmal im Klimahaus im Bereich des „Regenwalds bei Nachts“ war, weiß ungefähr, wie es hier riecht, nur dass hier noch ein leichter Feuergeruch hinzukommt. Der Müll wird hier nämlich einfach in eine Grube im Garten geschüttet und anschließend verbrannt. 

Mein Blick schweifte durch die Menge mir völlig fremder Gesichter, bis ich Torben (Projektleiter) und Julius winkend erblickte. Zusammen stiegen wir in ein Taxi, das uns in drei Stunden in das kleine Dorf im Kwahu-Hochland brachte. Auf der Fahrt konnte ich dann meine ersten Eindrücke sammeln. Die Straßen sind nicht mit den deutschen zu vergleichen, überall sind Schlaglöcher, die umfahren werden müssen, auch auf der „Autobahn“, sodass man durchaus von 100 km/h auf 10 km/h abbremsen muss. Auch feste Verkehrsregeln scheint es nicht zu geben. Wenn es eine Sache gibt, die ich in den letzten Tagen gelernt habe, dann ist es, dass Hupen eine elementare Rolle spielt. Oft gibt es gar keinen richtigen Grund, gilt aber in der Regel als Überholzeichen oder als Zeichen von Taxis, wenn diese frei sind. Anders als in Deutschland haben die Taxis feste Preise. Von einem zum anderen Dorf zu fahren kostet einen Cedi, das sind umgerechnet ungefähr 20 Cent. Ein leeres Taxi zu bekommen ist außerdem eher selten der Fall. Meistens sitzen bereits andere Personen mit drin. Man sagt dem Taxifahrer einfach bescheid, wenn man aussteigen möchte. 

Es gibt einige Dinge, an die ich mich auf jeden Fall noch gewöhnen muss. Da die Spülung hier nicht funktioniert, nimmt man das Wasser aus einem Eimer und schüttet es in die Toilette. Das Toilettenpapier wird in einen Mülleimer daneben geschmissen. Auch die Dusche funktioniert nicht. Heute habe ich zum ersten Mal geduscht und es hat erstaunlich gut geklappt. Ich habe einen großen Eimer voll mit Wasser gefüllt und einen kleinen dazu genommen, um zu „duschen“. Wie gesagt, an diese Dinge muss ich mich noch gewöhnen, bislang klappt aber alles sehr gut. 

Auch das Essen ist natürlich anders. Gestern gab zum ersten Mal Kochbananen mit Stew, eine scharfe Tomatensauce, die erstaunlich lecker ist. Da die andere Freiwillige sich ebenfalls vegetarisch ernährt, wie für uns fisch- und fleischlos gekocht. 

Gestern sind wir ins Dorf gefahren, um meine SIM-Karte zu besorgen und Geld abzuheben. Dabei sind wir auch über den Markt gegangen, wobei wir immer wieder „Obroni“ gehört haben, was übersetzt „Weiße/r“ bedeutet, aber nicht als Beleidigung oder Schimpfwort gilt. Bei unsrem Spaziergang ist mir zudem aufgefallen, dass hier überall Hühner und Hähne rumlaufen, die niemandem gehören. 

Anschließend sind wir in die Schule und den Kindergarten gefahren, wo ich in meinen sechs Monaten arbeiten werde. Sobald uns die Kinder erblickten, rannten sie auf uns zu und rufen in lauten Sprechchören „Sir Tom Tom“. Da sich die Kinder Torben nicht merken können, entstand vor einiger Zeit dieser Name. Sofort waren wir von Kindern umzingelt, die mich umarmten und alle meine Hand halten wollten. Ich bin wohl die erste Freiwillige seit einiger Zeit in der Schule, was für große Aufregung sorgte. Nach ein paar Kitzelattacken und vielen Handschlägen sind wir dann zur Fußballschule gefahren, wo demnächst auch ein Jugendhaus errichtet werden soll. 

Zusammen mit dem Coach sind wir dann in eine Bar gegangen, wobei man in Deutschland hierbei nicht wirklich von einer Bar sprechen würde: Wellblechhütte, große Boxen mit lauter Musik, Plastikstühle und Tische. Während ich meine erstes Bier „Club“ trank, erlebte ich meinen ersten Regenschauer, der glücklicherweise zu etwa zehn Minuten andauerte. 

Um 16 Uhr sind wir noch einmal zur Fußballschule gefahren, da Ghana im Africacoup spielte und umbedingt einen Sieg brauchte, um weiterzukommen. In einen Raum gequetscht, schauten wir uns das Spiel mit etwa 15 Jungs an, die bei jeder Aktion eifrig mitfieberten. Als Ghana dann zwei Tore schoss, war die Stimmung auf dem Zenit. 

Morgen beginnt mein erster „Arbeitstag“ und ich freue mich schon in den nächsten Tagen weitere Erfahrungen von mir berichten zu können.