Heiße Weihnachten

Frohe Weihnachten oder wie man hier sagt: „afehyia pa ooo“!!!

Mein zweites Jahr Weihnachten in Folge, das ich nicht zu Hause feiere, könnte sich nicht mehr von meinem letzten Weihnachtsfest in Kanada unterscheiden. Anstatt Schnee und eisigen Temperaturen jenseits der null Grad Grenze, wurden ich mit brütender Hitze und Trockenheit konfrontiert. Und trotz meiner anschleichenden Erkältung würde ich den Abend als einen meiner schönsten in Ghana bezeichnen. Gegen Mittag habe ich meine allseits bekannten Brownies gebacken, bevor wir gemeinsam unseren Aufenthaltsraum mit Lametta und Luftballons dekoriert, sowie unseren kleinen Plastiktannenbaum mit Weihnachtskugeln geschmückt haben. Anschließend haben wir unsere Geschenke eingepackt und dann auch schon mit den Vorbereitungen fürs „Raclette“ begonnen. Man könnte allerdings eher von einer ausgefallenen Gemüsepfanne als von Raclette sprechen, die mit einem Knoblauch-Dip und Salat serviert wurde. Dazu gab es „Kinderpunsch“, zusammengestellt aus Traubensaft, Orangen und Nelken. Während der ausgesprochen leckeren Nachspeise fand auch die Bescherung statt, bevor wir den Abend mit einer gemeinsamen Runde Skipbo beendeten. Am nächsten Tag sind wir gemeinsam in ein kleines Village gefahren um passend zu Weihnachten kleine Geschenktüten mit Reis, Fisch, Keksen und Getränken zu verteilen.

Soviel zu unserem sehr schönen Weihnachtsabend, jetzt zu den leider nicht so guten Nachrichten. Vor etwa einem Monat habe ich mit den zwei anderen Freiwilligen eine kleine Reise an die Keta-Lagoon im Osten Ghanas gemacht. Zusammengefasst: fünf Tage paradiesischer Palmenstrand. Doch leider lief nicht alles ganz perfekt. Gleich am ersten Tag holten wir uns allesamt den vermutlich heftigsten Sonnenbrand unseres Lebens, der mich drei gute Nächte meines Schlafs kostete. Und auch eine Woche später sollte ich noch die Folgen meines mangelnden Auftragens des Mückenschutzes zu spüren bekommen. Wieder zurück in unserem Haus in Obomeng, wachte ich den einen Morgen mit extremen Gliederscherzen, Schüttelfrost und 39,3 Grad Celsius auf. Wir sind sofort ins Krankenhaus, wo uns die Bluttests dann die Diagnose gaben: Malaria. Glücklicherweise war der Anteil in meinem Blut allerdings so gering, dass der Arzt mich nur für 24 Stunden einwies, um mir die Medikamente intravenös zu verabreichen. Aber keine Sorge, bereits am nächsten Tag ging es mir schon wieder gut. 

Ansonsten hatte ich am 19. Dezember meinen letzten Schultag. Mit den rund 140 Schüler/innen haben wir eine kleine Weihnachtsfeier veranstaltet. Mit mitgebrachtem Essen, Keksen und Getränken bepackt, sowie in Kirchenkleidern, kamen die Kinder morgens zur Schule. In den Tagen zuvor habe ich für jeden der Schüler/innen einen kleinen Beutel mit Getränk, Keksen, Süßigkeiten, Stiften und Schokolade vorbereitet. Nach dem Essen und einem kleinen Tanzbattle, kamen die Kindern einzeln in ihren Klassen zu mir und ich habe die Beutel ausgeteilt. Dabei habe ich zum ersten Mal realisiert, dass ich einen Großteil der Kinder vielleicht nie wieder sehe, beziehungsweise dieser Moment mein letzter mit ihnen sein wird, sodass auch recht schnell die ersten Tränen kamen. Als jedes Kind mit einem Beutel ausgestattet war, ging das große Weinen los. In einem Raum versammelte ich mich mit etwa dreißig Schüler/innen, alle am Weinen. Für etwa zwei Stunden war ich mit den Kindern hier, doch das Schluchzen wurde und wurde nicht weniger. Erst als meine Schulleiterin Rose in den Raum kam, um den Kindern zu versichern, dass ich zwei Jahren wiederkomme, wurde das Schluchzen weniger. Auch Rose und ein paar der Lehrer konnten ihre Tränen nicht zurückhalten. 

Zusammenfassen kann ich sagen, dass ich eine unfassbar schöne Zeit mit den Kindern in der Schule hatte. Jeden Tag habe ich mich aufs neue auf meine Kinder gefreut und jeden einzelnen Morgen haben mich die Kinder durch Holzschlitze aus der Ferne ankommen gesehen und laut „Auntie Ama“ oder „Ama Lotta“ gerufen.

An dieser Stelle sei also gesagt: Josie, Nyame, Pharrell, Agnes, Gabriel, Nana Manu, Nana Kofi, Danielle und Winfrey, WIR SEHEN UNS IN ZWEI JAHREN 🙂 

Meine letzte kleine Reise ging an den Volta-Staudamm in Akosombo. Neben einer kleinen Führung auf dem Staudamm, waren wir hauptsächlich im Volta-Fluss schwimmen und haben die zwei Tage in der hügeligen, aber sehr schönen Gegend genossen. 

An dem Tag an dem wir aus Akosombo wiederkamen, haben wir uns abends spontan noch entschlossen auf das Stonebwoy-Konzert, einer der bekanntesten Sänger in Ghana, zu gehen. Seit diesem Abend trage ich auch nicht mehr den Namen Ama Baby oder Ama Lotta, sondern Ama Stonebwoy. Als wir den Raum betraten, hat der Sänger mich (angeblich) gesehen und für zwei Sekunden aufgehört zu singen. Am 30.12. ging es weiter in Abetifi, wo Künstler wie KiDi, Kwesi Arthur, Kuami Eugene und Kofi Mole aufgetreten sind.

Und damit ist meine Zeit in Ghana auch schon fast beendet. In weniger als vier Tagen steige ich ins Flugzeug und begebe mich zurück nach Deutschland. So richtig realisiere ich noch nicht, dass meine sechs Monate schon vorbei sind. Die Zeit verging für mich wie im Flug und mein Abschied wird sicherlich mit einem weinendem und einem lachenden Auge verbunden sein.

„I’ll never forget this“

Eine Frage, die ich immer bekommen habe, wenn ich mit anderen Leuten über meine Freiwilligenarbeit gesprochen habe, war, was ich eigentlich genau in Ghana mache und wie man sich meinen Alltag so vorstellen kann.

Die Schule beginnt hier um acht Uhr, allerdings kann ich mir meine Arbeitszeiten mehr oder weniger selbst aussuchen. Gegen neun treffe ich meistens ein und gehe erst einmal in alle Klassen und werde von allen Kindern laut mit „Auntie Ama“ begrüßt und verteile fleißig high fives und Umarmungen. Je nachdem, ob alle Lehrer gekommen sind oder nicht, suche ich mir selbst aus, wo ich gerne unterrichten möchte, denn hier gibt es pro Klasse nur einen einzigen Lehrer, der jeweils alle Fächer unterrichtet. Die Lehrerin aus der Nursery hat vor ein paar Wochen geheiratet und wird etwa sechs Monate nicht zur Schule kommen, weshalb ich seit ihrem Weggang jeden Tag bei den ein- bis zweijährigen bin. Morgens wird erst einmal gesungen und getanzt, bevor alle durchgefüttert und anschließend schlafen gelegt werden. Die Kinder, die aber nicht einschlafen wollen oder sich schlecht benehmen, werden mir dann auf den Rücken gebunden und ich laufe zehn Minuten draußen herum, sodass auch diese Kinder schlafen. Meistens beginnt dann schon das Füttern fürs Mittagessen, bevor alle einmal gewickelt werden und von ihren Eltern oder ihren Fahrern abgeholt werden. „Fahrer“ hört sich erst einmal luxuriöser an, als es wirklich ist, denn in ein Taxi werden bis zu elf Kinder gequetscht…von Anschnallgurten oder Sitzschalen ist nur zu träumen.

Die „Royal International School“, wie meine Schule so schön heißt, ist eine Privatschule im Zentrum von Mpraeso. Mit den gesammelten Spendengeldern habe ich bereits geholfen einen Klassenraum mit neuen Tischen, Stühlen und einer Tafel auszustatten. Während meiner Zeit in der Nursery ist mir allerdings aufgefallen, dass das Dach nicht dicht ist, sodass der Regen an vielen stellen durch die Decke tropft und auf die Kinder fällt, weshalb ich auch hier meine Schule finanziell unterstützt habe.

Generell spielt die Kirche eine ganz andere Rolle als bei uns in Deutschland. Jeder, und ich meine wirklich JEDER, ist gläubig. Dass jemand nicht religiös ist, ist mir noch nicht untergekommen. Dementsprechend findet man religiöse Bezüge so ziemlich überall. Beispielsweise heißt der Frisör dann „God Loves You Hair Salon“ oder der Laden an der Straße „Jesus is Great Shop“. Aber auch in alltäglichen Diskussionen wird gerne mal eine Bibelstelle zur Begründung hinzugezogen. 

Was mir allerdings auch extrem aufgefallen ist, ist der Aberglaube der Ghanaer. Alle Babys tragen an den Händen, den Füßen und um den Bauch Ketten, damit die Arme schön, die Beine gerade, die Taille schmal und die Hüfte breit wird. Hat man dann beispielsweise X-Beine liegt es daran, dass die Mutter dem Kind keine Kettchen umgebunden hat. Oder wenn das Baby seine Füße in den Mund nimmt, wird es bald anfangen zu laufen. Für alles scheint es eine Erklärung zu geben…

In dem Haus, in dem wir wohnen, leben noch weitere einheimische Familien. Unter anderem der vierzehnjährige Prince, dessen Geburtstag wir vor circa einem Monat gefeiert haben. Mit verbundenen Augen kam das Geburtstagskind herein und während alle Happy Birthday sangen, wurde seine Augenbinde abgenommen. Hier in Ghana können sich eine richtige Geburtstagsfeier nur die Familien mit viel Geld leisten, für alle anderen ist dieser Tag wie jeder andere. Auch für Prince war es der allererste gefeierte Geburtstag, sodass seine Augen ganz groß wurden und sich langsam mit Tränen füllten, als er den gedeckten Tisch mit Kuchen, Keksen, Getränken und Geschenken sah. Weil er herausgefunden hat, dass ich das Ganze organisiert habe, hat er mich später zur Seite genommen, mich umarmt und leise geflüstert „Thank you very much. I’ll never forget this.“

Glück im Unglück

Die größten Wasserfälle und der höchste „Berg“ Ghanas: Vor zwei Wochen ging es für uns nach Hohoe, eine kleine Stadt nahe der Grenze zu Togo. Die erste Nacht im Westen Ghanas verbrachten wir damit uns mental auf den nächsten Tag vorzubereiten, denn dieser sollte nicht einfach werden…

Unser erstes Ziel sollte am nächsten Morgen das Monkey Sanctuary sein, wo etwa 100 der „Wahren Monameerkatzen“ leben. Diese Affenart kommt auf der gesamten Welt ausschließlich in diesem Schutzgebiet vor. Es dauerte nicht lange bis die ersten Affen auf uns zukamen und nach bereits zehn Minuten war unser Bananenvorrat aufgebraucht und die Mägen der Affen gefüllt. 

Motiviert und mit reichlich Essen bepackt ging es im Anschluss zu den über 80m hohen Wasserfällen. Natürlich entschieden wir uns für die fünf- und nicht dreistündige Wanderung…klar…Der sechzehn jährige Joseph wurde uns als Guide zugewiesen und wurde die gesamt Wanderung über mit klassischen Wanderliedern wie „Monsta“ von Culcha Candela oder „Circle of Life“ aus König der Löwen beschallt. Joseph, der zwei bis drei mal die Woche zu den Wasserfällen hochsteigt, war die Anstrengung im Gegensatz zu uns nicht anzusehen. Bereits nach dreißig Minuten lief uns der Schweiß den gesamten Körper herunter. Dazu muss gesagt werden, dass eine Wanderung in Ghana nicht mit einer in Europa zu vergleichen ist. Es gibt keine gesicherten Wanderwege und teilweise wars auch eher mit klettern als wandern zu vergleichen. Alles in allem kann man sagen: Ich habe gelitten. Nichts desto trotz habe ich es (mit großer Hilfe der Oldenburgerinnen) bis nach oben geschafft und es hat sich wirklich gelohnt! Nach einem kurzen Bad unterm Wasserfall ging es dann klitschnass auf den Rückweg.

Weil die fünfstündige Wanderung am Vortag ja noch nicht genug war. ging es am nächsten Tag weiter auf den höchsten „Berg“ Ghanas. Ich setzte Berg beabsichtigt in Anführungszeichen, denn der höchste Punkt befindest sich in 885m Höhe. Dementsprechend waren wir in einer Stunde oben, ein Klacks im Vergleich zum Tag zuvor. 

Wie der ein oder andere vielleicht mitbekommen hat wurde ich vor inzwischen über einem Monat mit Verdacht auf Malaria ins Krankenhaus eingeliefert. Der Schnelltest war glücklicherweise negativ, was die Ärzte jedoch nicht davon abhielt mir insgesamt drei Antibiotika zu verschreiben. Nach drei Tagen war mein Fieber dann so weit runtergegangen, dass ich wieder entlassen wurde. Da hatte ich wohl Glück im Unglück…

Die allergischen Götter Ghanas

Accra: Trotz seiner 2,5 Millionen Einwohner wirkt die Hauptstadt Ghanas nicht wie eine Metropole. Es fehlen die Wolkenkratzer, Straßenbahnen und die gestresst durch die Straßen laufenden Anzugträger. Doch natürlich sind die Menschenmassen, der Stadtverkehr und das ständige Gehupe auch in Accra nicht wegzudenken. Nach unserer Ankunft mit dem Bus (im Prinzip ein etwas größeres Trotro und meistens mit AC ausgestattet), ging es für uns mit dem Uber nach Jamestown zum James Fort, auch Old Accra genannt, denn diese Siedlungen bildeten den Grundstein Accras. Noch heute werfen die einheimischen Fischer ihre Netze hier aus. In dem alten Stadtteil haben wir an einer kleinen privaten Führung teilgenommen, wo ich wünschte, ich hätte besser aufgepasst, damit ich jetzt ein paar interessante Fakten wiedergeben könnte…Anschließend haben wir das Chale-Wote-Fest besucht, ein Street-Art-Festival, wo neben Straßenkämpfen vor allem Kunst, Schmuck, und Kleidung angeboten wurden. Unser Stadtrundgang führte uns als nächstes zum Kwame Nkrumah Memorial Park and Mausoleum. Kwame Nkrumah war der erste Präsident Ghanas und proklamierte 1957 (diese Zahl habe ich mir natürlich gemerkt und nicht aus dem Reiseführer abgeschrieben) die Unabhängigkeit Ghanas. Darauf folgte für uns ein kurzer Abstecher zum Souvenirmarkt, der aber, wie der Name schon vermuten lässt, ausschließlich für Touristen ausgelegt ist, weshalb man alle fünf Sekunden von den Verkäufern angesprochen wurde. Der Tag endete dann mit einem Sprung in unseren Hotelpool und einem Cocktailabend im Restaurant OneCorner. 

Am nächsten Morgen haben wir ausführlich und wirklich gut, es gab sogar Kaffee, gefrühstückt, bevor es zurück in die Stadt zu den letzten Touristenattraktionen Independence Arch und Black Star Square ging. Unser letzter Punkt auf der Liste war die Oxford Street, die ihren Namen der Oxford Street in London zu verdanken hat, aber optisch nicht unterschiedlicher sein könnte. 

Ein paar Tage später sind wir gemeinsam (inzwischen sind wir fünf Freiwillige) mit Julius zu den Hängebrücken in Obo gefahren. Noch recht motiviert habe ich die erste Stufen der insgesamt 1000 Stufen erklommen, aber nach dreihundert Stufen war sowohl mein Motivation als auch der Spaß verflogen…die anderen würden wahrscheinlich sogar behaupten nach etwa zehn Stufen. Da mir alles was wackelt auch nicht ganz geheuer ist, bin ich auch nicht im Bltztempo über die Hängebrücken gelaufen. Alles in allem hatte wir eine schöne Aussicht, aber ich war froh, als wir wieder unten waren.

Das letzte Wochenende führte uns zum Lake Bosumtwi, dem heiligen See der Ashanti. Das besondere an dem See ist, dass dieser vor 1.5 Millionen Jahren durch einen Meteoriteneinschlag entstand. Doch das ist nicht das einzig besondere. Nach dem Glauben der Ashanti ist der See die Heimat der wichtigsten und größten Gottheit Twi. Dieser Gott soll gegen Eisen allergisch sein, weshalb die Fischer noch heute auf Holzplatten auf dem See paddeln, um ihre Körbe und Netze auszuwerfen. So wie es scheint sind wohl alle Götter in Ghana Allergiker…

Ein blutiger Abstieg

Bruku, der Great God Rock, nach deren Legende der Felsen die Heimat des Gottes Bruku ist und noch heute gilt er als Wacher über das Kwahu-Hochland. Der Felsen scheint aus einem Hügel herauszuwachsen und nach dem Glauben der Einheimischen war er einmal noch größer als er es heute ist. Denn eines Tages aß ein Bauer in der Nähe des Hügels Wasseryam, deren Krümel von einer Ameise auf den Berg getragen wurden. Ohne zu wissen, dass der mächtige Gott allergisch gegen diese Art von Yam ist, brach die Spitze des Felsens als Folge ab. 

Ohne Begleitung eines Einheimischen kann man den Felsen nicht besichtigen. Und wer mich kennt weiß, dass ich nicht der größte Wanderfreund bin. Aber als „wandern“ kann man unseren Auf- und Abstieg nicht wirklich bezeichnen. Neben den erschwerten Bedingungen durch die Hitze, musste unser Guide unseren Weg durch das Gestrüpp mit einer Machete freischlagen. Ich war natürlich so unpassend wie nur möglich in einem kurzen Jumpsuit bekleidet. Dementsprechend bin ich nicht nur mit gefühlten 20 Mückenstichen nach Hause gekommen, sondern mit unzähligen Schrammen und blauen Flecken. Aber all das habe ich in Kauf genommen für die wahnsinnige Aussicht! Bevor wir uns auf den Abstieg gemacht haben (bei dem wir alle geblutet haben, deshalb der Titel), stand eine Art Reinigungszeremonie an, bei der unser Guide Schnaps auf den Boden tropfte und irgendwas in Twi vor sich hinschwafelte. 

Im Anschluss sind wir, für mich jetzt zum zweiten Mal, zum Volta-See und haben die selbe Bootstour gemacht. Meinen Sprung ins Wasser habe ich dann gleich auch zur Reinigung meiner „Wunden“ genutzt. 

Am Sonntag sind wir in die Kirche von Portias Freundin mitgekommen. Um etwa 9:30 Uhr waren wir in der Kirche und haben diese erst gegen 13:30 Uhr wieder verlassen. Von diesen vier Stunden Gottesdienst wurden gefühlte fünf Minuten auf Englisch geredet, der Rest in Twi. Wenn ihr also das nächste Mal in die Kirche geht und euch eine Stunde schon zu lange ist, dann erinnert euch daran, dass ich mal vier Stunden in einem Gottesdienst war und davon nichts verstanden habe. Das besondere an dieser Kirche war, dass Männer und Frauen getrennt voneinander sitzen und die Frauen nur mit Kopfbedeckung am Service teilnehmen dürfen. So weit so gut. Als sich dann aber bei den Gebeten Leute auf den Boden schmissen und anfingen zu zucken und hin- und herzurollen, habe ich (ohne Witz) Gänsehaut bekommen. Was genau es damit auf sich hatte, habe ich nicht herausgefunden, aber spätestens hier stand fest, dass ich keinen Fuß mehr in diese Kirche setzen werde.

Ein Gottesdienst auf vier Rädern

Alles, was man über Kumasi wissen muss, lässt sich in drei Worten zusammenfassen: laut, voll und stinkend. Dies liegt vor allem daran, dass sich in dieser Stadt der größte Markt Westafrikas befindet. Aber bevor ich auf meine Eindrücke von Kumasi eingehe, sollte ich vom Anfang unseres Ausflugs beginnen.

Um die zweitgrößte Stadt Ghanas zu erreichen, muss man etwa zwei Stunden mit dem Trotro zurücklegen, welche täglich in Nkawkaw abfahren. Entweder geht man zur Trotro-Station, allerdings kann man hier ganz schön lange warten, denn es gibt keine festen Abfahrtszeiten. Das Trotro fährt erst dann los, wenn alle Plätze besetzt sind. Wir haben uns also dazu entschieden, ein Trotro am Straßenrand anzuhalten, was auch nur etwa fünf Minuten gedauert hat. Ein Trotro ist ein etwa VW-Bus großes Auto, in dem es statt drei Reihen fünf Reihen gibt. Für alle Menschen über 1,90m wird’s also sehr unangenehm…

Sowohl die Hin-, als auch die Rückfahrt lassen sich als typisch ghanaisch beschreiben. Anstatt auf unserem Weg nach Kumasi nur mit einem Trotro zu fahren, waren es bei uns drei. Das erste entschied sich nach etwa der Hälfte die Reisenden auf andere Autos zu verteilen. Das zweite kam 20 Minuten vor Kumasi stotternd zum Stehen, sodass wir noch ein weiters Mal das Trotro wechseln mussten. Unserer Rückfahrt habe ich dann den Titel dieses Beitrags zu verdanken. Die erste halbe Stunde hatten wir einen Pastor im Auto der für alle Mitfahrer (unfreiwillig) einen Gottesdienst veranstaltet hat.

In Kumasi angekommen ging es für uns zuerst zum Aschanti-Palast, die königliche Familie in Ghana, und anschließend zum Kulturzentrum, wo es einen kleinen Kunstmarkt gab. Hier haben wir auch eine kleine Führung gemacht, wobei wir interessante Funfacts über die Aschanti gelernt haben, wie dass der König nie barfuß sein darf, da dann seine Herrschaft ein Ende haben wird. Zum Abschluss ging es für uns dann auf den oben bereits angesprochenden Markt. Glücklicherweise sind wir an einem Sonntag nach Kumasi, sodass der Markt dementsprechend verhältnismäßig leer war. 

Ansonsten habe ich mir in der letzten Woche noch eine Infektion am Auge zugezogen. Nach drei Tagen mit gerötetem Auge habe ich mich dazu entschieden, ins Krankenhaus zu fahren, wo mir direkt zwei Antibiotika verschrieben wurden. Dazu kommt eine Ringflechte an meinem Oberschenkel, die ich aber ebenfalls seit einer Woche medikamentös behandle. Weil das ja noch nicht reicht, habe ich mich gestern in einen Haufen Riesenameisen gesetzt und glaubt mir, es gibt wenig schmerzvolleres als Ameisenbisse…

Graduation

Diesen Samstag war es endlich soweit, die große Graduation Party stand an. Ganz nach ghanaeschen Verhältnissen ging es statt um 9 Uhr erst um 11 Uhr los. Auch ich habe mich inzwischen damit abgefunden, dass Zeiten eher als Richtlinien gelten und man auch als pünktlich gilt, wenn man 45 Minuten später kommt. Stattgefunden hat die Feier in der Kirche neben meiner Schule. Dementsprechend wurde zu Beginn ein kleiner Gottesdienst veranstaltet, bei dem fleißig gesungen und getanzt wurde. Das Tanzen hat sich auch weiter durch den Ablauf gezogen, denn zwischen den einzelnen Acts wurde immer wieder Musik eingespielt, bei der die Leute dann aufstanden und mittanzten. Bereits als Zweite war die sieben jährige Agnes dran, die wirklich einen guten Job gemacht hat. Leider kann ich keine Videos hochladen, habe ihren Auftritt allerdings gefilmt. Wenn jemand sich dafür interessiert, kann er mich gerne anschreiben. Ansonsten geht das Gedicht folgendermaßen:

Ein Fest für die „Royal International School“, wie fein. Ich wünsch dir ganz viel Sonnenschein. Ich wünsch dir lauter nette Gäste, denn du, „Royal International School“, bist die Beste!

Außerdem war ich letzte Woche zu Hause bei meiner Direktorin Rose. Ich denke mal, dass das Haus zu einem der „luxuriöseren“ gehört, denn insgesamt gibt neben dem Bad und der Küche noch vier weitere Räume, sodass sich nur die beiden Töchter Nanama und Obaapa ein Zimmer teilen und der Sohn Jeremiah sogar seinen eigenen Raum hat. Ansonsten gibts wenig Möbel und die Klamotten sind nicht ordentlich gefaltet im Schrank, sondern zusammengeknüllt in einem Koffer in der Ecke.

Da am Freitag der letzte Schultag war, habe ich jetzt bis Anfang September Ferien. Zwar beginnt in einer Woche die Sommerschule, jedoch wird nur ein kleiner Teil der Schüler anwesend sein. Am 5. August kommt die nächste Freiwillige. Wenn sie auch Lust hat, gehen wir denke ich mal ein wenig Reisen. Da es erst Im Dezember unerträglich heiß wird, kann ich mir gut vorstellen an den Strand zu fahren. Hier gibts aber auch viele Nationalparks mit Hängebrücken und Wasserfällen. Ansonsten steht auch noch die Planung für Aktivitäten im Jugendhaus an, sodass die sechs Wochen Ferien gut gefüllt sein müssten.

Liebesnachichten

Nachdem ich nun fast drei Wochen hier bin, habe ich auch schon meinen zweiten Ausflug gemacht. Letzten Samstag ging es zum Volta-See, dem größten Stausee der Erde. In brütender Hitze haben wir eine kleine Bootstour unternommen. Trotz erhöhter Krokodilgefahr sind wir in der Mitte des Sees ins Wasser gesprungen. Große Probleme kamen dann auf, als sich die Frage ergab, wie wir wieder ins Boot kommen. Die Position, die mir der Fahrer zeigte, konnte ich auch mit den größten Anstrengungen nicht einnehmen, sodass ich schlussendlich von zwei einheimischen Männern ins Boot gezogen werden musste. 

In meinem letzten Beitrag habe ich ja bereits erwähnt, dass ich hier einige Verehrer besitze. Damit ihr nachvollziehen könnt, wie ich mich fühle, habe ich hier ein paar Nachrichten, die ich original so bekommen habe:

„There is nothing so sweet and palatable that has happened to me except you. There is nothing so soul satisfying and nothing so loving and caring like you. I know you will not believe my words but sweetheart lets forget about jokes this time you mean very great for me. Anytime that you come to my mind, then all my problems are solved immediately. You see I just want to make this clear to you again that I love you more than my own intestines and I will do everything possible to love you forever. Be assured of my everlasting love for you.“

„You look very gorgeous today. I like your dress and I wish I could take pictures with u.“

„Life without u is completely meaningless. Before u there is no love and after u there is no love.“

„In fact, what makes me love you more is your smiles, the way you present yourself and even how you have fun with the kids.“

…ich denke das verdeutlicht ganz gut, warum ich einen imaginären Verlobten habe…

Inzwischen habe ich auch mein erstes Kleid abgeholt und bin sehr zufrieden damit. Hier holt man sich auf dem Markt den Stoff und bringt ihn anschließend zur Schneiderin, wo die Maße genommen werden. Für den Stoff zahlt man etwa 5€ und dann noch einmal etwa 10€ für das Kleid. 

Nachdem ich neulich mit Rose in Abetifi war, um nach Gowns für die Graduation zu schauen, habe ich mein erstes Projekt gefunden, dass ich mit Spenden unterstützen möchte. Wir haben auf unserem Weg mehrere Schule besucht. Darunter auch die Auntie Mary School, eine stark heruntergekommen Privatschule: keine Fenster, keine Türen, wenige Tische und absolut kahle Wände. Dass dies keine angenehme Lernatmosphäre ist, konnte ich direkt beim Betreten der Räume spüren. Mit den auf dem Abiball gesammelten Spenden würde ich gerne diese Schule unterstützen und Farbe, sowie Tische und Vorhänge besorgen und dann gemeinsam mit den Kindern die Wände bemalen. Mit Torben habe ich bereits gesprochen, jetzt muss ich nur noch alles mit Rose und dem Schulleiter der Schule in Abetifi absprechen, bevor es losgehen kann. 

Die Möbel für das Jugendhaus sind jetzt fertig gestellt, das heißt auch hier kann ich demnächst mit neuen Projekten starten. Geplant ist bisher vor allem ein Tuschkurs mit meinen mitgebrachten Tuschkästen. Allerdings sollen auch kleine Wettbewerbe stattfinden und für die Kinder gekocht werden. 

Nachdem ich jetzt schon über drei Wochen hier bin, bin ich auch zum ersten Mal krank geworden. Eigentlich völlig absehbar, da ich jeden Tag so einen engen Kontakt zu den einheimischen Kindern habe. Irgendeiner der Schüler ist immer krank und anstatt sich in die Armbeuge zu husten, wird dies einfach direkt auf mich gemacht. Zudem wird ständig Spucke oder ähnliches an mir abgerieben. Seit ein paar Tagen leide ich jetzt schon an einer Erkältung und habe seit gestern mit leichtem Fieber und starken Kreislaufproblemen zu kämpfen. Die wollten hier schon mit mir ins Krankenhaus fahren, allerdings habe ich das Gefühl, dann noch mit viel schlimmeren Krankheiten nach Hause zu kommen. Den Vorschlag habe ich also dankend abgelehnt und mich bei meiner eigenen Reiseapotheke bedient. Inzwischen geht es mir auch schon ein wenig besser. Morgen werde ich voraussichtlich wieder in die Schule gehen, denn diese endet am Freitag. Am Samstag ist zum Abschluss noch die Graduation, bevor die Kinder für einen Monat in die Sommerferien geschickt werden

Verliebt, Verlobt, Verheiratet

Dass ich als Weiße in Ghana auffallen würde, war mir bereits vorher klar. Doch von dem eigentlichen Ausmaß dessen war ich mir nicht bewusst. Als am Samstag zum ersten Mal Fotos von mir gemacht wurden und mich sogar der 40-jährige Schneider nach meiner Nummer fragte, wurden meine Grenzen überschritten. Ich habe also mit dem Koordinator Torben gesprochen und das einzige, was effektiv hilft, ist verlobt oder verheiratet zu sein. Ich werde mir also einen Ring holen, der dann hoffentlich abschreckt und habe auch mein Hintergrundbild zu einem Foto eines Jungens geändert. Wenn jemand meine Nummer haben will, sieht er also direkt, dass ich „vergeben“ bin. Leider hatte ich den Ring noch nicht am Sonntag, als wir in die örtliche Bar gegangen sind. Ich wurde also als Obroni von allen Seiten angetanzt. Hier ist auch ein sehr enger Körperkontakt üblich, weshalb ich mir so schnell wie möglich meinen Spot zwischen einem Regal und Bierkisten gesucht habe, wo mich keiner von hinten antanzen konnte.

Am Sonntag bin ich mit Julius in seine Kirche gegangen. Ein Gottesdienst dauert hier in der Regel bis zu drei Stunden. Zu Beginn wird viel getanzt und gesungen, aber hauptsächlich auf Twi, weshalb wir erst zum englischen Teil gekommen sind. Schon aus weiter Ferne hörte man den Pastor durch die Musikanlagen in der Kirche predigen, drinnen war es natürlich nochmal deutlich lauter. Die Kirche bestand aus einem mit Holz und Wellblech zusammengehämmerten Gebäude mit etwa zehn Ventilatoren, die von der Decke hingen. Trotzdem schwitzte der Pastor so stark während seiner wilden Gestikulationen, dass er sich mehrmals den Schweiß von der Stirn wischen musste. In einer Ecke saß ein etwa 12 Jahre alter Junge, der den gesamten Gottesdienst am Klavier begleitete.

Mein erster richtiger Ausflug ging anschließend zu einem kleinen Wasserfall in der Nähe des Dorfes Kwahu Tafo. Auf unserem Weg wurden Julius, Torben und ich von drei einheimischen Jungs begleitet, die sich in dem Wasser wuschen und uns anschließend mit auf ihre Farm nahmen und uns ihre Obstbäume zeigten. Darunter waren Kakaobäume und einer der Jungs schlug die Frucht auf und offenbarte uns das Fleisch, bestehend aus den weißen Kakaobohnen, die von einer schleimigen süßen Schicht umhüllt waren, die man ablutschen konnte. Anschließend werden die Bohnen dann geröstet, sodass die uns bekannten Kakaobohnen entstehen.

Dass mir früher oder später was geklaut wird oder ich etwas verliere, war mir bereits von Anfang an klar. Dass es allerdings nach weniger als zwei Wochen dazu kommen würde, hätte ich nicht gedacht. Am Montag bin ich mit dem Taxi zur Schule gefahren. Theoretisch auch eine Strecke, die man laufen kann, allerdings gibt es hier keinen festen Fußweg, man läuft also auf der Straße. Dass das in Ghana nicht ganz ungefährlich ist, kann sich wahrscheinlich jeder denken. Auch mit dem Taxi zu fahren ist anders. Hier ruft man sich kein Taxi, man hält eins am Straßenrand an und teilt es sich mit den Leuten, die bereits im Auto sitzen. Die Preise sind auch fest, sodass man pro Dorf einen Cedi zahlt. Am Montag bin ich also mit dem Taxi zur Schule. Erst etwa fünf Minuten später ist mir aufgefallen, dass mein Handy nicht da war. Michael und Rose haben für mich dann in unserem Freiwilligenhaus angerufen, aber auch hier war mein Handy nicht. Ab dem Moment war mir dann klar, dass ich es im Taxi vergessen haben muss. Über mein Apple ID konnten wir es dann glücklicherweise orten und haben mehrmals versucht mich anzurufen. Einige Minuten später klingelte es dann bei uns und die Mitfahrerin war am Telefon, die mein Handy gefunden hat. Ich hatte also Glück im Unglück, denn der Taxifahrer war so nett und hat mein Handy bei der Schule abgegeben. Das zeigt also nochmal, dass hier in Obomeng die Kriminalitätsrate sehr gering ist. Der Verkauf wäre sicherlich das Jahresgehalt mancher Ghanaei wert gewesen.

In der Schule ist in den letzen Tagen nichts neues passiert. Es stehen weiter fleißig Proben für die Graduation an und ich darf der sieben jährigen Agnes ein deutsches Gedicht und den Viertklässlern ein Lied auf deutsch beibringen, dass sie dann aufführen werden. Als Motivation verteile ich fleißig meine aus Deutschland mitgebrachten Süßigkeiten. 

Den Schulalltag kann man sich nicht wie in Deutschland vorstellen. Bevor der Unterricht beginnt versammeln sich alle Schüler/innen und es werden neben der Hymne noch viele weitere Lieder wie „twinkle, winkle little star“ gesungen, bevor es dann in die Klassenräume geht. Richtig feste Unterrichtszeiten gibt es allerdings nicht. Meistens bin ich bei den ganz Kleinen (4-5 Jahre). Hier wird sowieso nicht unterrichtet, sondern viel eher gespielt. Heute musste ich allerdings zu den etwas Älteren, was mir aber überhaupt keinen Spaß gemacht hat. Hier in Ghana haben die Schüler nur Respekt vor den Lehrern, wenn sie mit Schlägen mit den Stock drohen. Für uns Deutsche ist es schwer vorstellbar, denn bei uns wurde die Strafe mit dem Stock bereits vor Jahren abgeschafft. Doch hier ist es üblich den Kindern einen Klaps auf den Hintern zu geben, damit sie gehorchen. Der Stock wird bei mir jedoch ganz sicher nicht zum Einsatz kommen, was die Kinder auch schnell herausgefunden haben. Trotz all meiner Bemühungen, sind die Schüler/innen schreiend durch den Raum gelaufen. Erst als die anderen Lehrer in den Raum gekommen sind, haben sie sich beruhigt. Sobald aber wieder nur ich im Raum war, ging’s wieder von vorne los. In Zukunft werde ich diese Klassen also vermeiden und mich mit den Kleinen oder den ganz Großen beschäftigen. 

Morgen hole ich mein erstes Kleid ab, dass ich mir schneidern lasse. Am Sonntag soll ich es dann zur Kirche von Rose Mann Michael tragen, der Pastor in einer der vielen Kirchen ist. Zahlen tut man für ein Kleidungsstück zwischen 20 und 60 Cedi, also drei und zehn Euro. 


„Auntie Ama“

Nicht mal fünf Tage hier und ich besitze schon drei Namen. Neben „Obroni“ und Lotta Potta haben wir meinen ghanaeschen Namen herausgefunden. Hier besitzt man neben einem englischen Namen noch einen weiteren Namen, je nachdem an welchem Wochentag man geboren wurde. Da mein Geburtstag ein Samstag war, heiße ich jetzt offiziell „Ama“ und wurde heute von den Kindern lautstark mit „Auntie Ama“ begrüßt.

Ich war jetzt auch zum ersten Mal auf dem Markt in Obo. Ähnlich wie in Deutschland wird hier Obst und Gemüse angeboten, allerdings kann man auch Stoffe, Schmuck und Schuhe kaufen. In die Fleisch- und Fischhalle habe ich mich nicht getraut, nachdem man bereits aus 30 Meter Entfernung den Gestank wahrnehmen konnte. Im Vorbeigehen habe ich auch Hühnerfüße und getrocknete Krebse gesehen, was mich noch mehr abgeschreckt hat.

An meinem ersten „Arbeitstag“ wurde ich von der Direktorin Rose und ihrem Mann Michael abgeholt. Ihr Auto wäre in Deutschland schon mindestens zehn Mal durch den TÜV gefallen: Sprung in der Scheibe, überall Kabel, keine Türgriffe, keine Fenster und so ein starker Benzingeruch, dass ich zwischendurch dachte, dass ich ohnmächtig werde oder ernsthafte Schäden davontrage.

In der Schule angekommen, wurden wir ähnlich wie am ersten Tag von den Kindern begrüßt. Die Direktorin hatte die Situation aber gut unter Kontrolle, sodass die Kinder schnell wieder in den Klassenräumen waren. Wir sind dann in die „Turnhalle“, was man nicht wirklich so nennen kann, da es eigentlich nur ein Platz mit Wellblechdach ist. Hier haben etwa 15 Kinder im Alter von fünf bis acht mehrere traditionelle Tänze geübt, da bald ihre Graduation ansteht, bei der neben Tänzen noch Gedichte, Theaterstücke und Bibeltexte vorgeführt werden. Irgendwann hat die Lehrerin Popsongs angemacht, wo ich dann mittanzen durfte. Da bereits die fünfjährigen Kinder mehr Rhythmusgefühl und Schwung in der Hüfte haben als ich, war es sehr amüsant für sie mich dabei zu beobachten.

Die Warmherzigkeit und Offenheit der Ghanaer konnte ich bei der Direktorin erfahren. Sie will mir nicht nur meine Haare flechten und mir Kleider nähen, sondern mich auch mit ihrem 25 jährigen Sohn verheiraten. Dass dies nicht nur ein Scherz war sondern Ernst habe ich heute gemerkt, als der Sohn (ich habe seinen Namen leider vergessen) mich fragte, ob ich einen Freund in Deutschland habe und ob er meine Nummer haben kann. Außerdem soll ich ihn mal in seinem Haus besuchen kommen.

Am nächsten Tag bin ich mit Rose ins Krankenhaus gefahren, da ihre einjährige Tochter krank war. Die Kinderstation ist natürlich nicht mit einer deutschen zu vergleichen. In einem etwa klassenzimmergroßen Raum waren circa 15 Betten aufgestellt und offensichtlich war der Ventilator defekt, denn es war so schwül, dass allen der Schweiß von der Stirn lief. Im Behandlungszimmer angekommen, habe ich ein Blick in das Buch erhascht, wo die letzten 20 Patienten aufgelistet waren: Malaria, HTP, Asthma.

Anschließend sind wir zu Rose Freundin gefahren, die Friseurin ist und auch mir in ein paar Wochen die Haare flechten wird. Ich saß nicht mal 30 Sekunden, da hatte ich schon das vier Monate alte Kind Princess auf meinem Schoß, die ich bespaßen durfte, während Rose die Haare geflochten wurden.

Heute ist nun schon mein vierter „Arbeitstag“ und bisher der beste. Ich habe zwar immer noch nicht unterrichtet, aber momentan findet sowieso kein richtiger Unterricht statt, da für die Graduation geprobt wird. Generell wäre dieser aber auch nicht mit einer deutschen Stunde zu vergleichen, da hier nicht strikt nach einem Kerncurriculum unterrichtet wird. Das Highlight für die Kinder ist immer noch mich tanzen zu sehen. Heute wurde mir sogar beigebracht, wie man richtig twerked (und das von 6 jährigen Kindern). Ansonsten haben wir viel fangen und Fußball gespielt, mir wurden etliche Klatschspiele beigebracht, ich habe den ghanaeschen Handschlag gelernt und gefühlte 100 Kinder hochgenommen. Zum Abschied habe ich ungefähr die selbe Anzahl an Wangenküsschen erhalten und auch als die Schule schon außer Sichtweite war, habe ich immer noch die „Auntie Ama bye bye“ Sprechchöre gehört.

Es wird wohl noch eine Zeit dauern, bis ich mich an die Lebensumstände hier gewöhnt habe, aber bislang macht mir alles wirklich viel Spaß 🙂