Frohe Weihnachten oder wie man hier sagt: „afehyia pa ooo“!!!
Mein zweites Jahr Weihnachten in Folge, das ich nicht zu Hause feiere, könnte sich nicht mehr von meinem letzten Weihnachtsfest in Kanada unterscheiden. Anstatt Schnee und eisigen Temperaturen jenseits der null Grad Grenze, wurden ich mit brütender Hitze und Trockenheit konfrontiert. Und trotz meiner anschleichenden Erkältung würde ich den Abend als einen meiner schönsten in Ghana bezeichnen. Gegen Mittag habe ich meine allseits bekannten Brownies gebacken, bevor wir gemeinsam unseren Aufenthaltsraum mit Lametta und Luftballons dekoriert, sowie unseren kleinen Plastiktannenbaum mit Weihnachtskugeln geschmückt haben. Anschließend haben wir unsere Geschenke eingepackt und dann auch schon mit den Vorbereitungen fürs „Raclette“ begonnen. Man könnte allerdings eher von einer ausgefallenen Gemüsepfanne als von Raclette sprechen, die mit einem Knoblauch-Dip und Salat serviert wurde. Dazu gab es „Kinderpunsch“, zusammengestellt aus Traubensaft, Orangen und Nelken. Während der ausgesprochen leckeren Nachspeise fand auch die Bescherung statt, bevor wir den Abend mit einer gemeinsamen Runde Skipbo beendeten. Am nächsten Tag sind wir gemeinsam in ein kleines Village gefahren um passend zu Weihnachten kleine Geschenktüten mit Reis, Fisch, Keksen und Getränken zu verteilen.
Soviel zu unserem sehr schönen Weihnachtsabend, jetzt zu den leider nicht so guten Nachrichten. Vor etwa einem Monat habe ich mit den zwei anderen Freiwilligen eine kleine Reise an die Keta-Lagoon im Osten Ghanas gemacht. Zusammengefasst: fünf Tage paradiesischer Palmenstrand. Doch leider lief nicht alles ganz perfekt. Gleich am ersten Tag holten wir uns allesamt den vermutlich heftigsten Sonnenbrand unseres Lebens, der mich drei gute Nächte meines Schlafs kostete. Und auch eine Woche später sollte ich noch die Folgen meines mangelnden Auftragens des Mückenschutzes zu spüren bekommen. Wieder zurück in unserem Haus in Obomeng, wachte ich den einen Morgen mit extremen Gliederscherzen, Schüttelfrost und 39,3 Grad Celsius auf. Wir sind sofort ins Krankenhaus, wo uns die Bluttests dann die Diagnose gaben: Malaria. Glücklicherweise war der Anteil in meinem Blut allerdings so gering, dass der Arzt mich nur für 24 Stunden einwies, um mir die Medikamente intravenös zu verabreichen. Aber keine Sorge, bereits am nächsten Tag ging es mir schon wieder gut.
Ansonsten hatte ich am 19. Dezember meinen letzten Schultag. Mit den rund 140 Schüler/innen haben wir eine kleine Weihnachtsfeier veranstaltet. Mit mitgebrachtem Essen, Keksen und Getränken bepackt, sowie in Kirchenkleidern, kamen die Kinder morgens zur Schule. In den Tagen zuvor habe ich für jeden der Schüler/innen einen kleinen Beutel mit Getränk, Keksen, Süßigkeiten, Stiften und Schokolade vorbereitet. Nach dem Essen und einem kleinen Tanzbattle, kamen die Kindern einzeln in ihren Klassen zu mir und ich habe die Beutel ausgeteilt. Dabei habe ich zum ersten Mal realisiert, dass ich einen Großteil der Kinder vielleicht nie wieder sehe, beziehungsweise dieser Moment mein letzter mit ihnen sein wird, sodass auch recht schnell die ersten Tränen kamen. Als jedes Kind mit einem Beutel ausgestattet war, ging das große Weinen los. In einem Raum versammelte ich mich mit etwa dreißig Schüler/innen, alle am Weinen. Für etwa zwei Stunden war ich mit den Kindern hier, doch das Schluchzen wurde und wurde nicht weniger. Erst als meine Schulleiterin Rose in den Raum kam, um den Kindern zu versichern, dass ich zwei Jahren wiederkomme, wurde das Schluchzen weniger. Auch Rose und ein paar der Lehrer konnten ihre Tränen nicht zurückhalten.
Zusammenfassen kann ich sagen, dass ich eine unfassbar schöne Zeit mit den Kindern in der Schule hatte. Jeden Tag habe ich mich aufs neue auf meine Kinder gefreut und jeden einzelnen Morgen haben mich die Kinder durch Holzschlitze aus der Ferne ankommen gesehen und laut „Auntie Ama“ oder „Ama Lotta“ gerufen.
An dieser Stelle sei also gesagt: Josie, Nyame, Pharrell, Agnes, Gabriel, Nana Manu, Nana Kofi, Danielle und Winfrey, WIR SEHEN UNS IN ZWEI JAHREN 🙂
Meine letzte kleine Reise ging an den Volta-Staudamm in Akosombo. Neben einer kleinen Führung auf dem Staudamm, waren wir hauptsächlich im Volta-Fluss schwimmen und haben die zwei Tage in der hügeligen, aber sehr schönen Gegend genossen.
An dem Tag an dem wir aus Akosombo wiederkamen, haben wir uns abends spontan noch entschlossen auf das Stonebwoy-Konzert, einer der bekanntesten Sänger in Ghana, zu gehen. Seit diesem Abend trage ich auch nicht mehr den Namen Ama Baby oder Ama Lotta, sondern Ama Stonebwoy. Als wir den Raum betraten, hat der Sänger mich (angeblich) gesehen und für zwei Sekunden aufgehört zu singen. Am 30.12. ging es weiter in Abetifi, wo Künstler wie KiDi, Kwesi Arthur, Kuami Eugene und Kofi Mole aufgetreten sind.
Und damit ist meine Zeit in Ghana auch schon fast beendet. In weniger als vier Tagen steige ich ins Flugzeug und begebe mich zurück nach Deutschland. So richtig realisiere ich noch nicht, dass meine sechs Monate schon vorbei sind. Die Zeit verging für mich wie im Flug und mein Abschied wird sicherlich mit einem weinendem und einem lachenden Auge verbunden sein.













































































































































