Nicht mal fünf Tage hier und ich besitze schon drei Namen. Neben „Obroni“ und Lotta Potta haben wir meinen ghanaeschen Namen herausgefunden. Hier besitzt man neben einem englischen Namen noch einen weiteren Namen, je nachdem an welchem Wochentag man geboren wurde. Da mein Geburtstag ein Samstag war, heiße ich jetzt offiziell „Ama“ und wurde heute von den Kindern lautstark mit „Auntie Ama“ begrüßt.
Ich war jetzt auch zum ersten Mal auf dem Markt in Obo. Ähnlich wie in Deutschland wird hier Obst und Gemüse angeboten, allerdings kann man auch Stoffe, Schmuck und Schuhe kaufen. In die Fleisch- und Fischhalle habe ich mich nicht getraut, nachdem man bereits aus 30 Meter Entfernung den Gestank wahrnehmen konnte. Im Vorbeigehen habe ich auch Hühnerfüße und getrocknete Krebse gesehen, was mich noch mehr abgeschreckt hat.
An meinem ersten „Arbeitstag“ wurde ich von der Direktorin Rose und ihrem Mann Michael abgeholt. Ihr Auto wäre in Deutschland schon mindestens zehn Mal durch den TÜV gefallen: Sprung in der Scheibe, überall Kabel, keine Türgriffe, keine Fenster und so ein starker Benzingeruch, dass ich zwischendurch dachte, dass ich ohnmächtig werde oder ernsthafte Schäden davontrage.
In der Schule angekommen, wurden wir ähnlich wie am ersten Tag von den Kindern begrüßt. Die Direktorin hatte die Situation aber gut unter Kontrolle, sodass die Kinder schnell wieder in den Klassenräumen waren. Wir sind dann in die „Turnhalle“, was man nicht wirklich so nennen kann, da es eigentlich nur ein Platz mit Wellblechdach ist. Hier haben etwa 15 Kinder im Alter von fünf bis acht mehrere traditionelle Tänze geübt, da bald ihre Graduation ansteht, bei der neben Tänzen noch Gedichte, Theaterstücke und Bibeltexte vorgeführt werden. Irgendwann hat die Lehrerin Popsongs angemacht, wo ich dann mittanzen durfte. Da bereits die fünfjährigen Kinder mehr Rhythmusgefühl und Schwung in der Hüfte haben als ich, war es sehr amüsant für sie mich dabei zu beobachten.
Die Warmherzigkeit und Offenheit der Ghanaer konnte ich bei der Direktorin erfahren. Sie will mir nicht nur meine Haare flechten und mir Kleider nähen, sondern mich auch mit ihrem 25 jährigen Sohn verheiraten. Dass dies nicht nur ein Scherz war sondern Ernst habe ich heute gemerkt, als der Sohn (ich habe seinen Namen leider vergessen) mich fragte, ob ich einen Freund in Deutschland habe und ob er meine Nummer haben kann. Außerdem soll ich ihn mal in seinem Haus besuchen kommen.
Am nächsten Tag bin ich mit Rose ins Krankenhaus gefahren, da ihre einjährige Tochter krank war. Die Kinderstation ist natürlich nicht mit einer deutschen zu vergleichen. In einem etwa klassenzimmergroßen Raum waren circa 15 Betten aufgestellt und offensichtlich war der Ventilator defekt, denn es war so schwül, dass allen der Schweiß von der Stirn lief. Im Behandlungszimmer angekommen, habe ich ein Blick in das Buch erhascht, wo die letzten 20 Patienten aufgelistet waren: Malaria, HTP, Asthma.
Anschließend sind wir zu Rose Freundin gefahren, die Friseurin ist und auch mir in ein paar Wochen die Haare flechten wird. Ich saß nicht mal 30 Sekunden, da hatte ich schon das vier Monate alte Kind Princess auf meinem Schoß, die ich bespaßen durfte, während Rose die Haare geflochten wurden.
Heute ist nun schon mein vierter „Arbeitstag“ und bisher der beste. Ich habe zwar immer noch nicht unterrichtet, aber momentan findet sowieso kein richtiger Unterricht statt, da für die Graduation geprobt wird. Generell wäre dieser aber auch nicht mit einer deutschen Stunde zu vergleichen, da hier nicht strikt nach einem Kerncurriculum unterrichtet wird. Das Highlight für die Kinder ist immer noch mich tanzen zu sehen. Heute wurde mir sogar beigebracht, wie man richtig twerked (und das von 6 jährigen Kindern). Ansonsten haben wir viel fangen und Fußball gespielt, mir wurden etliche Klatschspiele beigebracht, ich habe den ghanaeschen Handschlag gelernt und gefühlte 100 Kinder hochgenommen. Zum Abschied habe ich ungefähr die selbe Anzahl an Wangenküsschen erhalten und auch als die Schule schon außer Sichtweite war, habe ich immer noch die „Auntie Ama bye bye“ Sprechchöre gehört.
Es wird wohl noch eine Zeit dauern, bis ich mich an die Lebensumstände hier gewöhnt habe, aber bislang macht mir alles wirklich viel Spaß 🙂


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